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Leseprobe: Kapitel I/Seite 7-9

Das alte Land Baden gibt es nicht mehr, und bedauerlicherweise ist damit nicht nur badische, sondern mit ihr auch ein bedeutsamer Abschnitt badisch geprägter Geschichte des Roten Kreuzes in Vergessenheit geraten. Davon soll hier geredet und auch geklagt werden. Die Badener haben an sich ein emotional geprägtes Verhältnis zu ihrem „Ländle“: Bei ihren Heimspielen schmettern die jugendlichen Fans wie die Zuschauer gesetzten Alters des Karlsruher SC, des SC Freiburg, der TSG Hoffenheim und der Rhein-Neckar Löwen aus vollem, oftmals bierfeuchtem Hals und immer optimistisch geschwellter Brust ihr geliebtes Badnerlied, bevor die teilweise spielbedingt folgenden Depressionsphasen anstehen, manch Karlsruher kann auch hiervon sein traurig Lied singen.

Aber nicht nur über die Niederungen der badischen Sportarenen hallt und schallt die badische Nationalhymne. Selbst bei einem so gewichtigen politischen Ereignis wie dem NATO-Gipfel 2009 in Baden-Baden und Kehl wurde das Badnerlied gespielt, bevor die regierenden Herrschaften das badische Ländle über die Kehler Rheinbrücke in Richtung Straßburg verließen, wo dann auch gleich nach Verklingen der schönen Hymne der noch manchem erinnerliche Ärger anstand, als der unselige italienische Regierungschef Berlusconi am Rheinufer sein langes und offensichtlich wichtiges Handy-Telefonat, vielleicht mit einer seiner jungen Lust-Gespielinnen, führte und seine Kolleginnen und Kollegen Staatslenker geraume Zeit warten ließ. Nun, von Spielverzögerung verstehen die Italiener bekanntlich etwas, worüber sich schon manch fußballbegeisterter Zuschauer nicht wenig geärgert hat.

Und damit wären wir schon wieder beim Fußball, aber es geht uns ja um Rotkreuzgeschichte: Die blutige Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859 im sogenannten Italienischen Krieg, seine Ursächlichkeit für die Entstehung des Roten Kreuzes, nachdem Henry Dunant Zeuge des schrecklichen Gemetzels geworden war, kennt jeder Rotkreuzinteressierte. Der Beitrag des Hauses Baden und des von der Großherzogin Luise ins Leben gerufenen Badischen Frauenvereins als „Geburtshelfer“ der Rotkreuzgründung ist allenfalls geschichtlich Interessierten aus der badischen Region bekannt. Auch in der heutigen Geschichtsschreibung über das Rote Kreuz kommen Baden, der im Jahre 1859 gegründete Badische Frauenverein sowie das großherzogliche Ehepaar Friedrich und Luise nicht mehr vor. Bezeichnenderweise findet man Ausführungen über den 1859 gegründeten Badischen Frauenverein im Zusammenhang mit der Entstehung des Roten Kreuzes mit Ausnahme einer Dissertation aus dem Jahr 2002 und wenigen Fachartikeln nur noch in einem älteren, im badischen Landesteil erschienenen Buch. Immerhin gibt es seit 1997 eine vom DRK-Landesverband Baden-Württemberg ins Leben gerufene „Großherzogin Luise von Baden-Stiftung“, und im Badischen Roten Kreuz wird das Andenken an Luise im Zusammenhang mit der badischen Rotkreuzgeschichte hochgehalten.

Ihr Bildnis hängt neben dem von Buchtitel Henry Dunant in zahlreichen Repräsentations-Räumlichkeiten von Landes- und Kreisverbänden, und als höchste Auszeichnung wird im Badischen Landesverband der Verdienstorden „Großherzogin Luise von Baden“ verliehen. Das aber ansonsten breite Vergessen ist umso unverständlicher, als Luise von Baden aufgrund ihrer herausragenden Rolle, die sie in der Gründungsphase des Roten Kreuzes gespielt hat, im 19. Jahrhundert national und international als die große weibliche Rotkreuz-Lichtgestalt galt.